Besuch der Landessternwarte Königstuhl
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Geschrieben von: Administrator   
Montag, den 22. Mai 2017 um 14:24 Uhr




Besuch der Landessternwarte Königstuhl am 21. Mai 2017


Nach lange voraus gegangener Planung haben wir, ein Großteil der Bühler Sterngucker, die Landessternwarte Königstuhl in Heidelberg besucht.

Neben der historischen Landessternwarte befinden sich auf dem Gelände des Königstuhl auch das Max Planck Institut für Astronomie und seit kurzer Zeit auch das Haus der Astronomie.

Wir wurden bei gutem Wetter freundlich von einer jungen Wissenschaftlerin des MPIA empfangen. Die Führung dauerte insgesamt gut 3 Stunden. Zunächst besichtigten wir die historische Landessternwarte.


Historische Landessternwarte Königstuhl

Die Wissenschaftlerin erzählte uns zunächst sehr ausführlich die gesamte Geschichte, die zur Errichtung dieser Sternwarte geführt hat, nachzulesen unter: https://www.lsw.uni-heidelberg.de/foerderkreis/geschichte/

Anschließend führte sie uns über eine enge Wendeltreppe in die eigentliche große historische Kuppel, in der zwei große Refraktoren montiert waren, die damals vorwiegend für die Plattenfotographie der Sterne benutzt wurden und heute nicht mehr im Betrieb sind. Einzig das noch vorhandene Leitrohr wird von Schülern für die visuelle Beobachtung genutzt.


Historische Refraktoren der Hauptkuppel

Auf dem Gelände um die historische Sternwarte sind noch mehrere freistehende Sternwarten aus der damaligen Zeit zu sehen.

Eine dieser Einrichtungen, in der ein 85 cm-Spiegelteleskop steht,  haben wir besichtigt.


85cm Spiegelteleskop

Der Spiegel ist derzeit wegen Wartungsarbeiten entfernt. In den übrigen Sternwarten wird Forschung betrieben, teils werden Teleskope gewartet, teils sind die Sternwarten nicht mehr zugänglich und werden nicht mehr benutzt.


Mehrere einzeln stehende Sternwarten im Umfeld der Historischen Sternwarte

Nach der Besichtigung der Sternwarten begaben wir uns in das Max Planck Institut für Astronomie (MPIA) http://www.mpia.de/de


Max Planck Institut für Astronomie

Zur Geschichte des MPIA: http://www.mpia.de/de/institut/geschichte

Das MPIA ist eine außeruniversitäre Forschungseinrichtung unter der Trägerschaft der Max-Planck-Gesellschaft (MPG). In erster Linie betreibt das MPIA Grundlagenforschung im Fach der Naturwissenschaften auf dem Gebiet der Astronomie.

Das Institut wird über Drittmittel und Spenden wie auch über Fördergelder des Bundes finanziert. Etwa 300 Personen unterschiedlichster Nationalitäten sind dort beschäftigt, vorwiegend Studenten, die ihre Doktorarbeit schreiben und dabei auch die verschiedenen Teleskope benutzen können, die für uns Besucher nicht zugänglich waren.

Zusammen mit Partnern aus Deutschland, Italien und den USA betreibt das MPIA seit 2005das Large Binocular Telescope (LBT) und stattet dies mit Messinstrumenten. aus Das LBT steht auf dem 3190 m hohen Mount Graham bei Tucson, Arizona. Auf seiner Montierung sind zwei Hauptspiegel mit je 8.4 Metern Durchmesser montiert. Es ist derzeit das größte Einzelteleskop der Welt. Der Aufbau des Teleskops ist noch nicht abgeschlossen ist, seit Mitte 2007 werden wissenschaftliche Beobachtungen mit der ersten Generation von Instrumenten durchgeführt.

Gemeinsam mit spanischen Stellen betrieb das Institut in den Jahren 1973 bis 1984 den Aufbau des Calar-Alto-Observatorium auf dem Calar Alto bei Almería. Dieses größte Observatorium auf dem europäischen Festland wird heute von den Astronomen beider Länder paritätisch genutzt.

Zusammen mit dem Zentrum für Astronomie der Universität Heidelberg und der Abteilung Astro- und Teilchenphysik des MPI für Kernphysik bildet das MPIA in Heidelberg einen weltweit beachteten Schwerpunkt der astronomischen Forschung.Extragalaktische Astronomie: Quasare und Aktive Galaxien, Entwicklung von Galaxien, Galaxienhaufen.Galaktische Astronomie: Sternenentstehung und junge Objekte, interstellare Materie, galaktische Struktur, Infrarotuntersuchungen.

Die Forschungsthemen im Überblick:

Am MPIA werden insbesondere zwei wissenschaftliche Fragestellungen untersucht. Zum Einen geht es um die Entstehung und Entwicklung von Sternen und Planeten in unserer kosmischen Nachbarschaft. Dabei schwingt die Frage mit: Ist die Sonne mit ihrem belebten Planeten Erde einmalig, oder herrschen auch in der Umgebung anderer Sterne, zumindest der zahlreichen sonnenähnlichen unter ihnen, lebensfreundliche Bedingungen? Zum anderen geht es im Bereich Galaxien und Kosmologie um das Verständnis der Entwicklung des heutigen, reich strukturierten Universums, mit seinen Galaxien und Sternen, und um seine Entstehung aus dem einfachen Anfangszustand nach dem Urknall.

Wir besuchten eine der Werkstätten, in der unter anderem Teile für Weltraumteleskope entwickelt und gebaut wie auch unter Extrembedingungen ( Vakuum, Temperatur nahe dem Nullpunkt) getestet werden.


Eine der Werkstätten

Daneben sind noch technische Bereiche für Konstruktion, Feinwerktechnik, Elektronik Software und Instrumentierung angeschlossen: http://www.mpia.de/de/institut/technik

Viel Wert legen die Mitarbeiter des MPIA auch auf die astronomische Weiterbildung an Schulen, so werden zahlreiche Koffer, in denen sich eine Grundausrüstung für die astronomische Schulung im Physikunterricht befindet, kostenlos an Schulen verliehen. 

Einer der "Koffer", den die Wissenschaftlerin demonstriert

Im Institut befindet sich auch ein Raum, in dem Kinder spielerisch an das Thema Astronomie herangeführt werden:


Desweiteren gibt es noch weitere Räumlichkeiten zur Ausbildung von Schülern, was letztlich dann irgendwann dazu führte, dass der Raum im MPIA für die Mitarbeiter selbst eng wurde, so fehlte ein großer Raum für Vorträge und wissenschaftliche Diskussionen. 

Das MPIA wandte sich daher an Klaus Tschira , einen wohlhabenden Gründer der Softwareschmiede MLP mit der Bitte, ob er einen kleines Gebäude mit Vortragsraum neben dem MPIA finanzieren könnte. Dieser präsentierte seine eigene Vorstellung :


Haus der Astronomie

Für die Öffentlichkeit ist das Gebäude im Rahmen von Führungen (nach Voranmeldung) sowie öffentlicher Veranstaltungen zugänglich, für Schulklassen und Kindergartengruppen auch im Rahmen von Workshops.
Das Gebäude ist auch Sitz der Redaktion der populärwissenschaftlichen Zeitschrift Sterne und Weltraum.
Das HdA verfügt über ein digitales Ganzkuppelprojektionssystem der Firma Carl Zeiss. Fünf VELVET-Projektoren erzeugen fünf Teilbilder, die so zusammengesetzt werden, dass ein komplettes Bild von 360 Grad mal 180 Grad ohne sichtbare Übergänge oder Bildkanten in der 12 Meter durchmessenden Kuppel entsteht. Die Projektion erreicht dabei einen Bildkontrast von 2,5 Millionen zu Eins. In der Kuppel können bis zu 100 Zuschauer der Projektion folgen.
Das HdA-Gebäude wurde von der Klaus Tschira Stiftung erbaut und kurz vor der Eröffnung im Dezember 2011 dem Max-Planck-Institut als Geschenk übergeben. Es hat die Form einer Spiralgalaxie: Das Zentrum bildet das Klaus Tschira Auditorium, das auch als Planetarium nutzbar ist. Um das Zentrum herum liegen ein Foyer, Seminarräume, Büros, Praktikums- und Unterrichtsräume.



Planetarium 

Nach einigen "kosmischen Lichtspielen" waren wir insgesamt tief beeindruckt und bedankten uns bei der Wissenschaftlerin für ihre ausführliche und sachkundige Führung.



Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 23. Mai 2017 um 09:31 Uhr